Warum Police Cars?

Glaubt man der herrschenden Meinung, so muss man unbedingt die Finger von ausgemusterten Einsatzfahrzeugen der Polizei oder auch Feuerwehr lassen. Hohe Laufleistungen, schlechter, ungepflegter Zustand, viele verschiedene Fahrer, die den Fahrzeugen direkt nach dem Anlassen alles abverlangten. Und wer weiß schon, wer in diesen Autos bereits alles auf der Rückbank gesessen hat…

Dies mag in manchen Fällen zwar zutreffen, die Regel ist es allerdings nicht. Die Welt der Streifenwagen ist bunt und vielfältig. Es gibt ebenso Behörden, die Ihre Autos nach strengen Vorgaben warten und pflegen oder auch welche, die ihre Fahrzeuge bereits nach kurzer Zeit ausmustern. Diese Fahrzeuge sind nicht selten von „verbraucht“ noch weit entfernt. Nicht umsonst sind ausgemusterte Streifenwagen beliebte Fahrzeuge bei öffentlichen Versteigerungen.

Streifenwagen üben einen ganz speziellen Reiz aus, dem jeder unserer Vereinsmitglieder erlegen ist. Im nächsten Abschnitt wagen wir einen Erklärungsversuch.

Der Reiz eines Police Cars

Die Reize eines alten Streifenwagens sind vielfältig! Zum einen wäre da die Geschichte, die jedes einzelne Auto zu erzählen hat. Die Wagen aus unserem Verein kommen aus den unterschiedlichsten Bundesstaaten und Behörden. Jedes dieser Autos trägt dadurch ein vergleichsweise individuelles Erscheinungsbild und hat seine ganz eigene Geschichte. So mancher hat ein Auto direkt vom Department bekommen, ohne dass dieses abgerüstet worden ist. Andere haben in mühsamer Recherche und Arbeit die Geschichte ihres Autos von hinten aufgerollt und neben fälligen Reparaturarbeiten auch in mühevoller Kleinarbeit fehlende Ausstattungsgegenstände zusammengetragen.

Die Geschichte jedes einzelnen Fahrzeugs ist einzigartig und die Einsatzzwecke der Fahrzeuge könnten zum Teil nicht unterschiedlicher sein. Vom ganz normalen Streifenwagen über Military Police Autos bis hin zu Fahrzeugen mit Sonderaufgaben ist alles dabei. Gerade in der letzten Kategorie hat der Verein einiges zu bieten. Neben einem Streifenwagen, der im „Citizen on Patrol“ Programm eines kleinen Sheriff Departments in Nordkalifornien gelaufen ist, befinden sich auch seltene Stücke wie ein originales Kommandofahrzeug der GM Werksfeuerwehr aus Mesa, Arizona in unseren Reihen. Auch unsere „normalen“ Streifenwagen haben einiges zu bieten. Zum einen wären da die originalen California Highway Patrol Streifenwagen ebenso wie einer der wenigen überlebenden Florida Highway Patrol Chevrolet Camaros, dessen schiere Leistungsfähigkeit für Angst und Schrecken unter Temposündern sorgten. Eine weitere Besonderheit sind amerikanische Streifenwagen, die gewisserweise außerhalb der USA bei den Streitkräften in Europa im Dienst waren. Die größte europäische Sammlung dieser Fahrzeuge der Military und Security Police befindet sich in den Reihen dieses Vereins.
Dabei beschränkt sich unsere Begeisterung nicht nur auf vierrädrige Fahrzeuge, sondern auch auf Motorräder von z.B. der Marke Harley Davidson oder Kawasaki, die ebenso in den Garagen unserer Mitglieder stehen. Und inzwischen befinden sich auch Fire Trucks in unseren Reihen!

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht die Geschichte dieser Fahrzeuge aufzuarbeiten, zu erhalten und weiterzuschreiben. Dies ist nur ein Teil, der den Reiz des Hobbys ausmacht.

1987 Dodge Diplomat California Highway Patrol

Die Technik

Egal ob es eine persönlich zugewiesene Take Home Unit, oder eine rund um die Uhr auf den Straßen laufenden Beat Unit war. Ob es eines von wenigen Fahrzeugen einer kleinen County Behörde, oder eines von vielen aus einer riesigen Metropole ist. Police Officers haben eine ganz besondere Beziehung zu ihrem Auto. Es ist mehr als ein Arbeitsmittel, mehr als ein rollendes Büro. In ihnen verbringen sie einen großen Teil des Tages, es ist praktisch ein zweites Zuhause. Egal ob man zu Notrufen eilt oder präventive Maßnahmen umsetzt, den Kontakt zur Bevölkerung sucht, ja gar repräsentative Aufgaben übernimmt. Es findet mit dem Streifenwagen statt. Man muss sich auf sein Gefährt unter allen Umständen verlassen können. Die teils extrem harten Einsatzbedingungen spielen dabei eine große Rolle. Stundenlanger Leerlauf bei der Verkehrsüberwachung unter sengender Hitze, ständiges Überfahren von Bordsteinen und Schlaglöchern schlecht geflickter Straßen, eisige Blizzards in schwach besiedelten Gegenden, Verfolgungsjagden auf fünfspurigen Interstates. Der Streifenwagen muss das tun was er von ihm verlangt wird und darf seinen Fahrer, der anderes als in Europa oft alleine unterwegs ist, nicht im Stich lassen. Dafür werden die Fahrzeuge von den Automobilherstellern besonders vorbereitet.

Was amerikanische Streifenwagen von ihren deutschen Pendants unterscheidet ist nicht allein die Optik, sondern auch die Technik. Denn diese Autos werden in der Regel mit dem sogenannten „Police Package“ ausgerüstet. Hierbei handelt es sich um ein auf den Einsatzzweck zugeschnittenes Technikpaket. Dieses enthält oftmals spezielle Motoren, Fahrwerke, Lenkungen, Bremsen und Kühlsysteme damit die Fahrzeuge auch unter härtesten Bedingungen bestehen können. Im Vergleich zu den Serienfahrzeugen, auf denen sie basieren, sind viele dieser Komponenten verstärkt, worauf auch die legendäre Haltbarkeit der Streifenwagen zurückzuführen ist. Nicht umsonst erfreuen sich ausgemusterte Streifenwagen auf Behördenauktionen bei Privatkäufern und Taxi-Unternehmen einer gewissen Beliebtheit.

Neben all diesen Sachen gehören natürlich auch diverse Vorbereitungen für die Polizeiausstattung dazu, welche von vielen Herstellern bereits ab Werk angeboten werden. Darunter fallen beispielsweise stärkere Lichtmaschinen, zusätzliche Sicherungskästen oder auch einfach Dinge wie Suchscheinwerfer, welche oft vom Hersteller direkt als Option ab Werk angeboten werden. Auffällig ist auch die oftmals unterschiedliche Serienausstattung. Wo zivile Modelle oft im Luxus schwelgen, sind Police Package Autos nicht selten deutlich pragmatischer ausgestattet. So unterscheiden sich meist schon die Polster von den zivilen Versionen. Wo es bei zivilen Modellen Lederpolster gibt, ist bei den Behördenautos eine leicht abwaschbare Vinylsitzbank das Höchste der Gefühle. Wer schon mal das Vergnügen hatte ein Police Package Fahrzeug und sein ziviles Pendant miteinander zu vergleichen, wird ebenso feststellen, dass sich trotz der gleichen Basis das Fahrverhalten deutlich unterscheidet. Andere Motoren, Hinterachsübersetzungen und auch Fahrwerkabstimmungen sorgen dafür, dass sich Police Package Autos deutlich dynamischer bewegen lassen. Das alles sind für uns Gründe, ausschließlich auf originale Police Package Fahrzeuge zurückzugreifen.

5,7L V8 LT1 Motor im 1996 Chevrolet Caprice 9C1

Die Technik

Aber nicht nur die Fahrzeuge selbst, sondern auch die Polizeiausstattung ist ein interessantes Thema, mit dem man ganze Enzyklopädien füllen könnte! Wie bereits erwähnt werden bestimmte Teile wie Suchscheinwerfer oder Pushbars direkt vom Hersteller ab Werk angeboten. Andere Teile wiederum beziehen die Behörden direkt von den spezialisierten Zulieferern. Darunter fallen Lichtbalken, Zusatzbeleuchtung, Sirenen, Funkgeräte, Konsolen, Trenngitter, Käfige und anderes Zubehör, was speziell auf die Bedürfnisse von Polizeibehörden zugeschnitten ist. Größere Behörden haben sogar eigene Werkstätten, in denen die Wagen nicht nur gewartet sondern auch aufgebaut werden. Allein an diesem Thema könnte sich der Hobbyist ein Leben lang austoben (und das tun er zum Teil auch!) ohne dass ihm langweilig werden würde. Das Thema Ausstattung ist untrennbar mit dem Hobby verbunden und nicht wenige unserer Mitglieder zeigen auch ein starkes Interesse an diesem Police Equipment. Dies ist definitiv ein Teil, der zum Reiz des großen Ganzen beiträgt.

Es ist die Kombination aus einzigartiger Geschichte und spezieller Technik, die für unsere Mitglieder den Reiz des Hobbys ausmacht. In Form des Vereins haben wir die Möglichkeit diese Leidenschaft und unser Wissen miteinander zu teilen. Dazu kommt, dass man sich gegenseitig viel besser unterstützen kann, wenn man untereinander organisiert ist. Wie sagte Mark Twain schon so schön:

„Freude lässt sich nur voll auskosten, wenn sich ein anderer mitfreut.“